Betriebswirtschaftliche Auswirkungen von Alternativen zur betäubungslosen Ferkelkastration | Economic impacts of alternatives to piglet castration without anesthesia
Verhaagh, Mandes
Немецкий. Die betäubungslose Ferkelkastration ist seit langem gängige Praxis in der Schweinehaltung, um Ebergeruch im Fleisch zu vermeiden und einen homogenen Schlachtkörper zu produzieren. Aufgrund des steigenden gesellschaftlichen Bewusstseins für mehr Tierwohl wurde die Praxis der betäubungslosen Kastration in vielen europäischen Ländern stark kritisiert und agrarpolitische Maßnahmen eingeleitet, um Alternativen in der modernen Schweinefleischproduktion zu etablieren. In Deutschland wurde das Verbot der betäubungslosen Ferkelkastration mehrmals verschoben. Am 29. November 2019 verlängerte der Deutsche Bundestag die Frist zum Inkrafttreten der Novellierung des Tierschutzgesetzes um zwei Jahre, da es der Landwirtschaft und der Politik nicht gelungen war, einen Konsens über die vorhandenen Alternativen zu finden und diese entschlossen umzusetzen. Die Gesetzesänderung bedeutet für die schweinehaltenden Betriebe eine Veränderung des Produktionsablaufes ihrer bisherigen Praxis. Der Branche stehen mehrere Ansätze zur Verfügung, um den Tierschutz bei der Ferkelkastration zu verbessern. Diese Methoden zielen darauf ab, entweder eine wirksame Schmerzausschaltung während der Kastration zu gewährleisten oder den kurativen Eingriff komplett zu vermeiden. Die verschiedenen Verfahren unterscheiden sich deutlich in ihren Auswirkungen auf Tierwohl, Praktikabilität und insbesondere die Wirtschaftlichkeit. Um eine fundierte Entscheidung zu treffen, welches Verfahren auf einem Betrieb umgesetzt werden soll, ist eine gründliche Abwägung dieser Faktoren unerlässlich. Dafür wurde eine detaillierte Analyse der wirtschaftlichen Aspekte der Jungebermast, der Impfung gegen Ebergeruch (Immunokastration), der Kastration unter verschiedenen Vollnarkosemethoden sowie der Anwendung von Lokalanästhesie vorgenommen. Bei der Inhalationsnarkose werden die männlichen Ferkel mittels Isofluran-Gas betäubt, bevor der Eingriff zur Kastration erfolgt. Die Inhalationsnarkose gilt als eine der am besten erforschten und etablierten Methoden, um den Tierschutzanforderungen der Schmerzausschaltung bei der Kastration zu entsprechen. Sie verursacht geringere Stressbelastungen für die Ferkel im Vergleich zur Kastration ohne Betäubung. Der Prozess ist zeitaufwändig, da immer nur wenige Ferkel gleichzeitig betäubt werden können. Hinzu kommt, dass die Anschaffung und Wartung des Narkosegeräts mit vergleichsweise hohen Kosten verbunden sind. Je nach Betrieb kostet die Kastration zwischen 1,90 und 3,02 Euro je männliches Ferkel mehr, in Abhängigkeit, ob der Landwirt die Narkose selbst anwendet oder durch einen Veterinär durchführen lässt, dann liegen die Mehrkosten bei bis zu 6,00 Euro. Bei der Injektionsnarkose wird eine Vollnarkose durch die Verabreichung von Ketamin/Azaperon erreicht. Dabei ist die Durchführung weniger zeitaufwendig als die Inhalationsnarkose und es sind keine speziellen Geräte bzw. Investitionen erforderlich. Die Dosierung der Arzneimittel erfordert eine höhere Präzision und die Durchführung wird in Deutschland ausschließlich Veterinären vorbehalten bleiben, was die Komplexität der Methode erhöht. Hinzu kommt eine deutlich längere Erholungs- bzw. Nachschlafphase der Ferkel, was im Verlauf zu höhere Ferkelverluste führen kann. Somit liegen die Mehrkosten zwischen 5,04 und 6,70 Euro je männliches Ferkel. Die Lokalanästhesie ist in Deutschland kein zulässiges Verfahren zur Ferkelkastration. Das Betäubungsmittel wird direkt in den Bereich des Hodens injiziert. Während der Injektion erhöht sich das Stresslevel der Ferkel. Die Zulassung scheitert an der ungenügenden Schmerzausschaltung. Betriebswirtschaftlich betrachtet ist die Lokalanästhesie ein deutlich schnelleres und weniger aufwendiges Verfahren als die Vollnarkose-Alternativen und führt zu geringeren Mehrkosten für das Betäubungsmittel und die Durchführung. Diese liegen zwischen 0,98 und 1,57 Euro je männliches Ferkel. Tierschutzgesetze fallen in der Europäischen Union in den Zuständigkeitsbereich der einzelnen Mitgliedstaaten. Jedes EU-Land erlässt und implementiert seine eigenen nationalen Tierschutzbestimmungen, wobei diese im Einklang mit den übergeordneten EU-Richtlinien stehen müssen. Die EU gibt einen Rahmen vor, innerhalb dessen die Mitgliedstaaten agieren. Somit können nationale Gesetze strenger sein als die EU-Vorgaben, dürfen diese aber nicht unterschreiten. Deutschland hat eines der strengsten Tierschutzgesetze innerhalb der EU und hat den Tierschutz als Staatsziel im Grundgesetz verankert. Die Umsetzung von EU-Richtlinien in nationales Recht kann zu Unterschieden zwischen den Mitgliedstaaten führen, wie bei der Definition einer "wirksamen Schmerzausschaltung" bei der Ferkelkastration. Unberührt davon bleibt aber das Handelsrecht auf dem europäischen Binnenmarkt. Für Ferkel gibt es etablierte Handelsströme innerhalb der Europäischen Union, die sich auf die Länder Deutschland, Dänemark und die Niederlande konzentrieren. Für den Verzicht auf die betäubungslose Ferkelkastration setzt jedes Land auf eine eigene Strategie in der Umsetzung ihrer Tierschutzgesetze, was mit Blick auf den Handel zu einer Wettbewerbsverzerrung führt. Die Niederlande setzen nach der Erklärung von Noordwijk bereits im Jahr 2009 den Verzicht auf die betäubungslose Kastration um und etablieren die CO2-Narkose zur Betäubung während des Kastrationseingriffes für diese männlichen Ferkel, die nach Deutschland exportiert werden. Getrieben von der agrarpolitischen Kastrationsdebatte in Deutschland, verabschiedete Dänemark eine Branchenvereinbarung, die die Lokalanästhesie bei der Ferkelkastration erlaubt und für die Praxisanwendung vorschreibt. Dabei können dänische Landwirte die Lokalanästhesie bei der Ferkelkastration selbst durchführen, nachdem sie eine spezielle Fortbildung absolviert haben. Für deutsche Landwirte, die weiterhin Kastraten erzeugen wollen, bleibt nach der Novellierung des Tierschutzgesetzes nur die Isofluran-Narkose, um im internationalen Vergleich nicht abgehängt zu werden. Sowohl Dänemark als auch Deutschland verlieren an Wettbewerbsfähigkeit bei der Betrachtung der langfristigen Rentabilität der ferkelerzeugenden Betriebe im Vergleich zu niederländischen Betrieben durch die Einführung der jeweiligen alternativen Kastrationsmethoden. Durch hohe Produktivität und vergleichsweise niedrige Produktionskosten haben dänische Betriebe bereits eine große Wettbewerbsfähigkeit. Die Umsetzung der günstigsten Methode zur Ferkelkastration in Dänemark, stärkt diesen Vorteil gegenüber deutschen Landwirten, deren Verluste an Wirtschaftlichkeit am größten sind. Der komplette Verzicht auf die chirurgische Kastration hat einen positiven Effekt auf das Tierwohl, da die Ferkel unversehrt bleiben können und stärkt die Wettbewerbsfähigkeit der Landwirte aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Die Ebermast erfordert ein angepasstes Haltungsmanagement, bietet aber Vorteile wie verbesserte Futterverwertung. Dabei entstehen keine Kastrationskosten und reduzieren den Arbeitsaufwand für den Ferkelerzeuger. Eber haben eine kürzere Mastdauer und bessere Futterverwertung und können somit eine positive Auswirkung von bis zu 2,49 Euro pro 100 kg Schlachtgewicht auf die langfristige Wirtschaftlichkeit erzeugen. Dennoch bleibt das Risiko des Ebergeruchs im Fleisch, was die Akzeptanz auf dem Markt beeinträchtigen kann, zu berücksichtigen. Eigene Abrechnungssysteme für Eber am Schlachthof können sich zusätzlich negativ auswirken und das Risiko von Ebergeruch einpreisen, sodass der Landwirt die Vorteile der höheren Produktivität der Tiere nicht nutzen kann. Die Impfung gegen Ebergeruch bietet den Mästern eine tierschutzfreundliche Lösung, bei der durch eine zweimalige Impfung die Hodenfunktion temporär unterdrückt wird und so die Entwicklung von Ebergeruch verhindert. Die großen Vorteile sind die Vermeidung der chirurgischen Kastration, bessere Futterverwertung und höhere Wachstumsraten der geimpften männlichen Tiere. Die zusätzlichen Impfkosten werden durch die bessere Futterverwertung ausgeglichen, sodass die Betriebe langfristig wirtschaftlicher produzieren können mit einem Vorteil von bis zu 2,88 Euro pro 100 kg Schlachtgewicht. Voraussetzung dafür ist die Abrechnung der Immunokastraten nach der Standardmaske in deutschen Schlachthöfen erfolgt. Die fehlende Erfahrung in der Schlachtkörper- und Teilstückzusammensetzung der geimpften Eber lässt eine abschließende Bewertung der Preisbildung am Schlachthof für die landwirtschaftliche Betriebe nicht zu und erfordert weitere Analysen für die Bewertungen der betriebswirtschaftlichen Auswirkungen.
Показать больше [+] Меньше [-]Английский. Piglet castration without anaesthesia has long been a common practice in pig farming to avoid boar taint in meat and to produce a homogeneous carcass. Due to the growing societal awareness of animal welfare, this practice has been strongly criticized in many European countries, and agricultural policy measures have been initiated to establish alternatives in modern pork production. In Germany, the ban on castration without anaesthesia has been postponed several times. On November 29, 2019, the German Bundestag extended the deadline for the amendment to the Animal Welfare Act to come into effect by two years, as neither agriculture nor politics had succeeded in finding a consensus on the available alternatives and implementing them resolutely. The legislative amendment means a change in the production process for pig farms. Several approaches are available to the industry to improve animal welfare during piglet castration. These methods aim to either ensure effective pain relief during castration or completely avoid the procedure. The various methods differ significantly in their effects on animal welfare, practicality, and especially economic viability. To make an informed decision on which procedure should be implemented on a farm, a thorough consideration of these factors is essential. A detailed analysis of the economic aspects of entire male finishing, vaccination against boar taint (immunocastration), castration under various general anaesthesia methods, and the use of local anaesthesia was carried out. Inhalation anaesthesia involves anaesthetizing male piglets with isoflurane gas before the castration procedure is performed. Inhalation anaesthesia is considered one of the most researched and established methods to meet animal welfare requirements for pain relief during castration. It causes less stress for the piglets compared to castration without anaesthesia. However, the process is time-consuming, as only a few piglets can be anaesthetized simultaneously. In addition, the purchase and maintenance of the anaesthesia equipment are associated with comparatively high costs. Depending on the farm, castration costs between 1.90 and 3.02 euros per male piglet more, depending on whether the farmer administers the anaesthesia themselves or has it performed by a veterinarian. In the latter case, the additional costs can be as high as 6.00 euros. Injection anaesthesia achieves general anaesthesia through the administration of ketamine/azaperone. This method is less time-consuming than inhalation anaesthesia, and no special equipment or investments are required. However, the dosage of the drugs requires greater precision, and the procedure is reserved exclusively for veterinarians in Germany, which increases the complexity of the method. In addition, piglets experience a significantly longer recovery or post-sleep phase, which can lead to higher piglet losses in the process. Therefore, the additional costs range between 5.04 and 6.70 euros per male piglet. Local anaesthesia is not a permissible method for piglet castration in Germany. The anaesthetic is injected directly into the area of the testicles. The injection increases the stress level of the piglets. Approval has failed due to insufficient pain relief. From an economic perspective, local anaesthesia is a much faster and less complicated procedure than the alternatives involving general anaesthesia and results in lower additional costs for anaesthetics and implementation, ranging between 0.98 and 1.57 euros per male piglet. Animal welfare laws in the European Union fall under the jurisdiction of individual member states. Each EU country enacts and implements its own national animal welfare regulations, which must comply with overarching EU guidelines. The EU provides a framework within which member states operate. Thus, national laws can be stricter than EU regulations but must not fall below them. Germany has one of the strictest animal welfare laws within the EU and has enshrined animal welfare as a state goal in the constitution. The implementation of EU directives into national law can lead to differences between member states, as seen in the definition of "effective pain relief" in piglet castration. However, trade law in the European internal market remains unaffected. There are established trade flows for piglets within the European Union, primarily between Germany, Denmark, and the Netherlands. Each country adopts its own strategy for implementing animal welfare laws concerning the cessation of castration without anaesthesia, leading to competitive distortions in trade. The Netherlands implemented a ban on castration without anaesthesia in 2009, following the Noordwijk Declaration, and established CO2 anaesthesia for castration of male piglets exported to Germany. Driven by the agricultural policy debate on castration in Germany, Denmark adopted an industry agreement allowing local anaesthesia for piglet castration and prescribing its use in practice. Danish farmers can perform local anaesthesia themselves after completing a special training course. For German farmers who want to continue producing castrates, only isoflurane anaesthesia remains as an option after the amendment to the Animal Welfare Act, in order not to fall behind internationally. Both Denmark and Germany are losing competitiveness in the long-term profitability of pig farms compared to Dutch farms, which introduced alternative castration methods earlier and have lower production costs. The complete ban of surgical castration has a positive effect on animal welfare, as piglets remain intact, and strengthens the competitiveness of farmers from an economic perspective. Entire male finishing requires adjusted management but offers advantages such as improved feed conversion. No castration costs arise, reducing the workload for piglet producers. Boars have a shorter finishing period and better feed conversion, potentially generating a positive impact of up to 2.49 euros per 100 kg slaughter weight on long-term profitability. However, the risk of boar taint in the meat, which can affect market acceptance, must be considered. Specific settlement systems for boars at slaughterhouses can further negatively impact the profitability, as boar taint risks are priced in, preventing farmers from fully capitalizing on the higher productivity of the animals. Vaccination against boar taint offers farmers an animal welfare-friendly solution, where a two-time vaccination temporarily suppresses testicular function, preventing the development of boar taint. The major advantages are the avoidance of surgical castration, improved feed conversion, and higher growth rates in vaccinated male animals. The additional vaccination costs are offset by better feed conversion, allowing farms to produce more economically in the long term, with a potential benefit of up to 2.88 euros per 100 kg slaughter weight. This assumes that vaccinated boars are processed according to the standard payment system at German slaughterhouses. The lack of experience with carcass and cut composition in vaccinated boars does not yet allow a final assessment of pricing at slaughterhouses for farms and requires further analyses of the economic impact.
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Эту запись предоставил Thünen-Institut